Group of young professionals brainstorming ideas in a modern office environment.
Foto von Vitaly Gariev auf Pexels

Unternehmensführung

Digitalisierung im kleinen Betrieb: Schritt für Schritt planen

Digitalisierung im kleinen Betrieb: Reifegrad prüfen, Quick Wins umsetzen, Mitarbeitende beteiligen, Kosten einschätzen und erste Schritte festlegen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fangen Sie bei den Mitarbeitenden an: Digitale Werkzeuge wirken nur, wenn die Belegschaft eingebunden ist und der Nutzen konkret erklärt wird.
  • Setzen Sie auf kleine, abgeschlossene Schritte statt auf einen großen Systemwechsel.
  • Planen Sie Zeit für Analyse und Erprobung ein, nicht nur für Lizenzen und Hardware.
  • Prüfen Sie, wo Ihr Betrieb von wenigen großen Anbietern abhängig ist und welche Alternativen es gibt.
Lagerregal mit Paletten und Kartons in einem Lagerraum
Symbolfoto: Ein gut organisiertes Lager mit Hochregalen und beschrifteten Lagerplätzen kann durch digitale Werkzeuge effizienter verwaltet werden. Foto: Shixart1985, CC BY 2.0. Originalbild und Lizenzhinweise; Lizenztext.

Digitalen Reifegrad bestimmen, bevor Sie investieren

Viele kleine Betriebe starten mit dem Einkauf von Software und wundern sich später, dass niemand sie nutzt. Der bessere Weg ist umgekehrt: erst den eigenen Stand bestimmen, dann Werkzeuge auswählen. Stellen Sie sich fünf Fragen. Welche Aufgaben laufen heute noch auf Papier? Wo tippen Mitarbeiter dieselbe Information mehrfach ein? An welchen Stellen entstehen die meisten Fehler? Wer weiß im Betrieb, wie ein Prozess wirklich abläuft? Und wo hängt der Betrieb von einer einzigen Person ab?

Diese Bestandsaufnahme lässt sich in ein bis zwei Stunden erledigen. Ein formales Reifegradmodell ist nicht zwingend nötig, hilft aber bei der Einordnung. Wenn Sie unsicher sind, wo Sie stehen, nutzen Sie die Angebote der Mittelstand-Digital Zentren. Diese richten sich an kleine und mittlere Unternehmen, die digital souveräner werden wollen, und bieten Workshops, Informationsmaterialien und Praxisbeispiele zu verschiedenen Aspekten der digitalen Souveränität. Klären Sie vorab beim zuständigen Zentrum, welche Angebote zu Ihrem Betrieb passen und ob Kosten anfallen.

Notieren Sie zu jeder Aufgabe drei Angaben: Wie lange dauert sie heute? Wie oft fällt sie an? Und wie viele Personen sind beteiligt? Damit haben Sie eine grobe Grundlage, um später Nutzen und Aufwand zu vergleichen. Wer diesen Schritt überspringt, kauft später Funktionen, die niemand braucht.

Quick Wins im kleinen Betrieb umsetzen

Ein Quick Win ist eine Änderung, die in wenigen Wochen Wirkung zeigt, überschaubare Kosten verursacht und den Arbeitsalltag spürbar erleichtert. Typische Kandidaten sind digitale Zeiterfassung, ein zentrales Ablagesystem für Dokumente, eine geordnete Kundenverwaltung und automatische Backups. Der Nutzen liegt selten in einem spektakulären Sprung, sondern in vielen kleinen Zeitgewinnen.

Ein CRM-System bündelt Kundendaten und Kontakthistorie an einer zentralen Stelle und macht sie berechtigten Mitarbeitern zugänglich. Die CRM-Checkliste der Mittelstand 4.0-Agentur Handel von 2018 nennt als Kernpunkt, dass Kundeninformationen übersichtlich gespeichert und allen befugten Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. So bleibt Kundenwissen auch nutzbar, wenn eine Person krank wird oder den Betrieb verlässt. Der Newsletter des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital dokumentiert dazu ein Beispiel: Das Kleinunternehmen Medikwork ersetzte seine Excel-Tabellen durch ein zentrales CRM-System und vereinfachte damit seinen Auswahlprozess.

Beispielrechnung: Was ein Quick Win bringen kann

Die folgende Rechnung ist rein illustrativ, keine Prognose und keine Marktangabe. Sie soll nur zeigen, wie Sie eigene Werte einsetzen können.

Position Annahme Ergebnis
Mitarbeiter mit doppelter Eingabe 3 Personen
Zeitaufwand je Person und Woche 1,5 Stunden 4,5 Stunden pro Woche
Angesetzter Stundenlohn 30 Euro
Ersparnis pro Woche 4,5 Stunden 135 Euro
Ersparnis pro Jahr 46 angesetzte Arbeitswochen rund 6.200 Euro

Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein. Wichtig ist, dass Sie nicht nur die Lizenzkosten gegenrechnen, sondern auch Einrichtung, Schulung und die Zeit der Mitarbeiter während der Umstellung. Achten Sie zudem darauf, was ein Werkzeug in Ihrem Betrieb leisten soll.

Ein Cloud-Büro-Paket wie Google Workspace Business Starter umfasst laut Anbieter 30 GB gemeinsamen Speicher pro Nutzer, eine eigene E-Mail-Domain sowie unter anderem Gmail, Kalender, Drive, Docs und Sheets. Stand der Preisprüfung ist der 13. September 2026. Bei einjähriger Vertragsbindung kostet Starter 6,80 Euro pro Nutzer und Monat; ohne Bindung im flexiblen Monatstarif sind es 8,10 Euro. Laut Anbieter werden alle Tarife monatlich abgerechnet. Vertragsbindung und Zahlungsrhythmus sind also zwei verschiedene Dinge. Die Testphase dauert 14 Tage.

Für die Buchhaltung bietet sevdesk vier Tarife: kostenlos mit 3 (E-)Rechnungen pro Monat, Rechnung für 12,90 Euro, Buchhaltung für 25,90 Euro und Buchhaltung Pro für 34,90 Euro. Laut Anbieter gelten diese Preise bei monatlicher Abrechnung. Der genannte Betrag ist der Tarifpreis; weitere Nutzer buchen Sie als kostenpflichtiges Paket hinzu, laut Anbieter für 5,90 Euro pro Monat und mit vergünstigten Teampreisen.

Für Neukunden und Aktionen räumt das Unternehmen teilweise Rabatte ein. Vergleichen Sie diese Preise mit Ihrem konkreten Bedarf, bevor Sie einen Tarif buchen.

Ein zweiter Bereich lohnt sich fast immer: die Ablage. Wer Dokumente heute in Ordnern, E-Mails und lokalen Laufwerken verstreut hält, verliert bei jeder Suche Zeit. Eine zentrale digitale Ablage mit klaren Regeln ist Voraussetzung für fast jeden weiteren Schritt. Achten Sie darauf, dass Ihr System die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten erfüllt und dass Sie den Zugriff sauber regeln.

Mitarbeiter einbeziehen und Widerstände ernst nehmen

Die Digitalisierung im Unternehmen beginnt bei den Mitarbeitenden. Das klingt nach einem Satz aus einer Broschüre, ist aber praktisch entscheidend. Die Begleitforschung Mittelstand-Digital hat in ihrer Publikation 'Arbeit und Digitalisierung' zusammengetragen, wie Beschäftigte digitale Veränderungen erleben. Ein Ergebnis lautet: Digitalisierungsprojekte, die partizipativ organisiert werden und die Betroffenen frühzeitig einbeziehen, werden erfolgreicher umgesetzt.

Dieselbe Publikation, erschienen im Januar 2022, stützt sich auf eine Microsoft-Studie aus dem Jahr 2018. Danach entwickelt fast die Hälfte der Beschäftigten Ängste gegenüber der digitalen Transformation. 48 Prozent der Befragten berichten Berührungsängste mit technischen Lösungen für Prozesse, die zuvor analog organisiert waren, 51 Prozent befürchten, den Arbeitsplatz zu verlieren. Wer solche Sorgen ignoriert, bekommt stillen Widerstand statt offener Kritik.

Praktisch heißt das: Erklären Sie zu jedem neuen Werkzeug, welchen Nutzen es für die betroffene Person hat, und nennen Sie die geplante Schulung. Reagieren Sie auf Sorgen, ohne sie kleinzureden. Achten Sie auf die Wortwahl: Schlagworte und Anglizismen, die im Zusammenhang mit Digitalisierung häufig fallen, können bei einigen Mitarbeitenden Verwirrung stiften; formulieren Sie Funktion und Nutzen daher unmissverständlich.

Ordnen Sie die Reaktionen Ihrer Belegschaft ein: Der Newsletter zum Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital (Ausgabe 7, September 2014) beschreibt fünf Typen im Umgang mit digitalisierter Arbeit, vom 'Angstfreien' bis zu jenen, die den Anschluss fürchten. Die zugrunde liegende Studie des eBusiness-Lotsen Potsdam zeigt, dass Aufklärung auf fachlicher und psychologischer Ebene nötig ist.

Wenn ein Betriebsrat existiert, klären Sie technische Überwachungsmöglichkeiten früh. Viele Systeme liefern Daten, die für Leistungs- und Verhaltenskontrolle genutzt werden könnten. Nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 des Betriebsverfassungsgesetzes hat der Betriebsrat bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen mitzubestimmen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Das ist ein eigenes Thema und sollte nicht nachträglich geklärt werden. Der Datenschutz setzt hier klare Grenzen, aber die praktische Ausgestaltung ist Sache des Betriebs.

Kosten, Nutzen und externe Hilfe

Wie viel externe Unterstützung kostet, hängt vom Umfang ab. Für den bereits erwähnten Fall von Medikwork schilderte der Inhaber eine Investition von rund 3.200 Euro und einen Zeitrahmen von sechs Monaten, mit etwa 60 Stunden eigener Arbeit vor allem für Prozessanalyse und Dokumentation. Das bleibt ein Einzelfall aus dem Jahr 2014 und keine allgemeine Preisangabe. Er zeigt aber, wie das Verhältnis zwischen eigener Arbeit und externer Leistung aussehen kann.

Wann sollten Sie externen Rat holen? Drei Situationen sind typisch. Erstens, wenn die Aufgabe nicht zum Kerngeschäft gehört und Sie sie dauerhaft nicht selbst leisten wollen. Zweitens, wenn Ihre Daten besonders schutzbedürftig sind. Drittens, wenn Sie mehrere Systeme verbinden müssen und niemand im Betrieb diese Verbindung überblicken kann.

Die Begleitforschung Mittelstand-Digital empfiehlt kleinen und mittleren Unternehmen eine modulare Migrationsstrategie. Kritische Systeme kommen zuerst, die Kompatibilität mit bestehenden Programmen wird früh getestet, und eine vollständige Umstellung auf einen Schlag ist weder notwendig noch ratsam. Kleinere Schritte wie der Wechsel eines einzelnen Dienstes oder das Erproben eines Open-Source-Office-Pakets in einer Abteilung erleichtern den Einstieg. Für mehr digitale Souveränität nennt die Studie drei Kategorien von Alternativen: Open-Source-Software, kostenpflichtige europäische Software und souveräne Cloud-Lösungen.

Fördermöglichkeiten sollten Sie prüfen, aber nicht als Ausgangspunkt Ihrer Planung nehmen. Programme ändern sich, Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Region und Vorhaben. Klären Sie vor jeder Antragstellung bei der zuständigen Stelle, welche Förderung aktuell gilt und welche Nachweise verlangt werden. Ein Projekt, das nur wegen einer Förderung gestartet wird, trägt sich selten selbst.

Wer wissen will, wie andere Betriebe vorgegangen sind, findet bei der KfW dokumentierte Fallbeispiele, geordnet nach Produktion, Logistik, Dienstleistungen und weiteren Bereichen. Ein Beispiel ist der Lackhersteller Weilburger Graphics, der seine Produktionsanlagen per Touchscreen steuert und damit seinen Umsatz steigert. Beim Tiefbauer Naue GmbH ist die digitale Transformation laut KfW Chefsache und wird in vielen Projekten proaktiv vorangetrieben. Ein weiterer Fall betrifft ein automatisiertes Shuttle-Lager mit digitaler Steuerung im Onlinehandel. Solche Beispiele ersetzen keine eigene Analyse, zeigen aber typische Wege.

Checkliste für die erste Projektphase

  • Prozess auswählen, der häufig vorkommt und klar abgrenzbar ist
  • Eine verantwortliche Person benennen, nicht ein Gremium
  • Betroffene Mitarbeiter vor der Entscheidung fragen, nicht danach
  • Testphase mit festem Enddatum und klaren Kriterien festlegen
  • Nach vier Wochen prüfen, ob die Erwartungen eingetreten sind

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Digitalisierung eines kleinen Betriebs?

Eine pauschale Dauer gibt es nicht. Ein einzelner Quick Win kann in zwei bis sechs Wochen laufen. Größere Vorhaben wie ein Systemwechsel dauern oft Monate, weil Analyse, Erprobung und Schulung Zeit brauchen. Planen Sie lieber in Etappen mit klaren Zwischenzielen.

Brauche ich eine Digitalisierungsstrategie, bevor ich anfange?

Für den Einstieg reicht ein kurzes Papier mit drei Zielen und einem Zeitplan. Wichtiger als ein langes Konzept ist, dass Sie wissen, welches Problem Sie zuerst lösen wollen und woran Sie den Erfolg messen.

Wann ist externe Beratung sinnvoll?

Wenn die Aufgabe nicht Ihr Kerngeschäft ist, wenn Datenschutz oder Schnittstellen komplex werden oder wenn im Betrieb niemand die nötige Zeit hat. Holen Sie Angebote ein, lassen Sie sich Referenzen nennen und vereinbaren Sie ein klar abgegrenztes Ergebnis.

Was kostet ein erster Digitalisierungsschritt?

Das lässt sich nicht seriös pauschal sagen. Die Kosten hängen von Umfang, System und Eigenleistung ab. Rechnen Sie neben Lizenzen immer Einrichtung, Schulung und die Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter mit.

In diesem Leitfaden

  1. Brauchen kleine Betriebe eine Digitalisierungsstrategie?Brauchen kleine Betriebe eine Digitalisierungsstrategie? Wann ein kurzes Blatt reicht, wann ein gemeinsames Papier nötig ist, mit Arbeitsblatt und Rechenbeispiel.
  2. Papierlos arbeiten im kleinen Betrieb mit SystemPapierlos im Kleinbetrieb: Belege per App erfassen, GoBD-konform in der Cloud ablegen und den Papierweg in der Buchhaltung Schritt für Schritt abschalten.
  3. Cloud-Dienste für kleine Betriebe: Google Workspace und Microsoft 365Cloud-Dienste für kleine Betriebe: Google Workspace und Microsoft 365 mit Preisen, Abrechnung, Datenspeicherorten und Auswahlkriterien verglichen.
  4. Wie begeistere ich meine Mitarbeiter für digitale Werkzeuge?So gewinnen Sie Mitarbeitende für digitale Werkzeuge: Ängste ansprechen, Nutzen zeigen, Schulungen planen und den Betriebsrat rechtzeitig einbeziehen.

Mehr aus Unternehmensführung

Unternehmensführung

Wann ist in Sachsen eine Neueintragung nach der Handwerksordnung nötig?

Unternehmensführung kleinbetrieb in Sachsen: Wann Neueintragung oder Umfirmierung in die Handwerksrolle nötig ist und welche Fristen gelten.

Unternehmensführung

Wie passen Betriebe in Schleswig-Holstein Personalkosten an Auftragsschwankungen an?

Unternehmensführung Kleinbetrieb: Wie Betriebe in Schleswig-Holstein Personalkosten mit Kurzarbeit, Befristungen und Zeitarbeit anpassen und planen.

Unternehmensführung

Unternehmensnachfolge im Mittelstand mit IHK-Standards bewerten

Unternehmensführung Kleinbetrieb: So bewerten Sie Ihren Betrieb bei der Nachfolge nach IHK- und ZDH-Standards und vergleichen Käufermärkte in drei Bundesländern.