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Unternehmensführung

Unternehmensführung im kleinen Betrieb: Überblick mit Businessplan und INQA

Unternehmensführung im kleinen Betrieb: Businessplan-Rubriken der IHK, Personalplanung in fünf Schritten nach INQA und kostenfreie Praxiswerkzeuge im Überblick.

Viele kleine Betriebe haben keine Controlling-Abteilung. Der Inhaber muss Geschäftsmodell, Finanzen und Personal selbst im Blick halten. Dort entstehen die typischen Steuerungsprobleme. Ein Rahmen hilft: die Businessplan-Vorlage der IHK als Struktur, das Fünf-Schritte-Verfahren von INQA für die Personalplanung und kostenfreie INQA-Publikationen als Werkzeuge.

Wer einen Betrieb führt, braucht qualifizierte Mitarbeiter. Voraussetzung ist nach Einschätzung von INQA eine vorausschauende, strategische Personalplanung, gerade in kleinen und mittleren Unternehmen. Der Kern des Rahmens: Überblick entsteht durch feste Rubriken, feste Termine und wenige Fragen, die der Inhaber regelmäßig beantwortet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Rubriken: Geschäftsmodell, Finanzen, Personal, Werkzeuge.
  • Die IHK-Businessplanvorlage gliedert Geschäftsidee, Kunden und Markt, Wettbewerb, Standort, Preispolitik, Vertrieb, Führung, rechtliche Grundlagen, Organisation und Mitarbeiter sowie Finanzen.
  • INQA plant Personal in fünf Schritten: Strategie, Überblick, Bedarf, Handlungsbedarf, Maßnahmen.
  • Ein monatlicher, ein quartalsweiser und ein jährlicher Termin genügen.
  • Die INQA-Mediathek listet 67 kostenfreie Ergebnisse, von Checks bis zu Magazinen.
Offener Coworking-Büroraum mit mehreren Personen an Tischen mit Laptops, einer stehenden Person im Mittelgang, großen Fenstern und Pflanzen.
Symbolfoto: Offener Coworking-Büroraum in Brüssel (Belgien) mit arbeitenden Personen, Laptops und Pflanzen , beispielhaft für eine moderne Arbeitsumgebung. Foto: WAO Coworking, CC BY-SA 4.0. Originalbild und Lizenzhinweise.

Der Rahmen: vier Rubriken statt Controlling-Abteilung

Der wichtigste Steuerungshebel im kleinen Betrieb ist ein fester Termin mit denselben Fragen. Die IHK-Businessplanvorlage liefert die Struktur: Geschäftsidee, Kunden und Markt, Wettbewerb, Standort, Preispolitik, Vertrieb, Führung, rechtliche Grundlagen, Organisation und Mitarbeiter sowie Finanzen. Der Finanzteil umfasst privaten Finanzbedarf, Liquiditätsplanung, Umsatz- und Ertragsvorschau mit Rentabilität, Investitionen, Kapitalbedarf und Finanzierung.

Für komplexe oder innovative Ideen nennt die Vorlage zusätzlich das Business Model Canvas. Es hilft nach Angaben der IHK, die wichtigsten Schlüsselfaktoren eines Geschäftsmodells zu überblicken, etwa Schlüsselpartner, Schlüsselaktivitäten, Nutzenversprechen, Kundenarten, Kanäle, Kosten und Einnahmequellen. Die Idee stammt von Alexander Osterwalder.

Der Ablauf ist simpel. Der Inhaber geht die Rubriken in drei Rhythmen durch und notiert je Feld einen kurzen Status:

  1. Monatlich: Finanzen durchsehen, Liquiditätsplanung fortschreiben, Umsatz- und Ertragsvorschau mit dem Ist vergleichen.
  2. Monatlich: Personalüberblick aktualisieren, Zu- und Abgänge sowie Qualifikationen eintragen.
  3. Quartalsweise: Kunden und Markt prüfen, Preispolitik und Vertrieb kontrollieren.
  4. Quartalsweise: Handlungsbedarf beim Personal ableiten, Altersstruktur und natürliche Fluktuation berücksichtigen.
  5. Jährlich: Geschäftsidee, Führung und Organisation prüfen, Maßnahmen für das nächste Jahr planen.

Dieses Vorgehen passt auf eine Seite und ersetzt keine Buchhaltung. Es stellt aber sicher, dass dieselben Fragen mindestens einmal im Jahr gestellt werden, statt erst in einer Krise. Die Vorlage der IHK Hochrhein-Bodensee trägt das Abrufdatum September 2020.

Personal planen nach INQA

Die strategische Personalplanung nach INQA hat zwei Komponenten. Die quantitative Planung legt fest, wie viel Personal künftig benötigt wird. Die qualitative Planung beschreibt, über welche Kompetenzen, Erfahrungen und Qualifikationen Mitarbeiter verfügen sollen. Der Vergleich von Ist und Soll macht Diskrepanzen sichtbar. Antworten sind etwa Nachwuchskräfte rekrutieren oder Mitarbeitende weiterbilden. Langfristige Planung schafft Sicherheit für die Mitarbeitenden.

INQA empfiehlt, nicht erst bei akutem Bedarf zu planen, weil die Spielräume dann eng und der Erfolgsdruck groß sind. Stattdessen fünf Schritte:

Schritt Leitfrage
Strategie festlegen Was wollen wir erreichen, welche Entwicklungen sind zu berücksichtigen, welche Anforderungen ergeben sich für die Belegschaft?
Personalüberblick verschaffen Wie viele Mitarbeitende mit welchen Kompetenzen haben wir heute?
Künftigen Personalbedarf bestimmen Wie viele Mitarbeitende mit welchen Kompetenzen brauchen wir künftig?
Handlungsbedarf ermitteln Wo weichen Ist und Soll ab, auch bei der Altersstruktur?
Maßnahmen planen Welche kurz-, mittel- und langfristigen Schritte sind nötig?

Den Einstieg in Schritt eins bildet das magische Viereck der Strategie nach INQA, angelehnt an die Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton von 1992. Vier Fragen: Was wollen wir mit dem Unternehmen erreichen? Welche Entwicklungen müssen wir berücksichtigen? Wie erreichen wir unsere Ziele? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Belegschaft?

Praxis: Kompetenzen sichtbar machen

INQA schlägt vor, die Belegschaft nach Tätigkeitsprofilen in Jobgruppen zu ordnen und je Gruppe Anzahl und Kompetenzen zu prüfen, etwa mit einem Kompetenztableau. Dann schätzt der Inhaber ein, welche Bedeutung diese Gruppen in drei Jahren haben und wie Mitarbeitende weiterqualifiziert werden müssen. Die Handlungshilfe "Strategische Personalplanung leicht gemacht" enthält die fünf Schritte, Checklisten, Praxisbeispiele sowie Tipps und Anlaufstellen.

Digitalisierung: fünf Typen nach der eBusiness-Studie

Die Einführung digitaler Werkzeuge ist ein Personenthema. Eine Studie des eBusiness-Lotsen Potsdam hat in Tiefeninterviews gut zwei Dutzend Einzelunternehmer, Führungskräfte aus KMU und Vertreter von Institutionen befragt. Die Ergebnisse erschienen im Newsletter zum Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital von September 2014. Darin ordnen die Autoren Unternehmer in fünf Typen ein:

  • Der Angstfreie, der die komplexeren Ansprüche aktiv aufgreift.
  • Der Typ, dem der Anschluss nur mühsam gelingt und der Fremdsteuerung durch Technik befürchtet.
  • Der sich entfremdende Typ, der Sorge hat, aus vertrauten Arbeitsformen herausgerissen zu werden.
  • Der um Anschluss Bangende, der befürchtet, dass kontinuierliches Arbeiten nicht mehr zeitgemäß ist.
  • Der Typ, der fürchtet, nicht schnell und flexibel genug zu sein.

Prof. Dr. Thomas Thiessen, Leiter des eBusiness-Lotsen Potsdam, betont, dass es auch darum gehe, Probleme und Ängste der Mitarbeiter im Umgang mit digitaler Technik aufzugreifen. Für den Inhaber folgt daraus: vor einem Projekt klären, wie die Betroffenen den Wandel erleben, statt nur die Software auszuwählen. Die Studie stammt aus 2014.

Finanzen: Businessplan-Zahlen fortschreiben

Die Finanzrubrik der IHK-Vorlage liefert die Felder für die monatliche Runde: privater Finanzbedarf, Liquiditätsplanung, Umsatz- und Ertragsvorschau mit Rentabilität, Investitionen, Kapitalbedarf und Finanzierung. Der Nutzen liegt im Vergleich: geplante Liquiditätskurve neben tatsächlicher. Abweichungen zeigen sich in den Zahlen und nicht erst, wenn eine Rechnung nicht mehr bezahlt werden kann.

Meine Empfehlung für Investitionen: eine kurze schriftliche Notiz mit Zweck, Betrag, Finanzierung und erwarteter Wirkung. Zwingend ist das nicht. Wer sie bei jeder größeren Anschaffung anlegt, kann Absicht und Ergebnis in der nächsten Planungsrunde vergleichen.

  • Monatlich: Liquiditätsplanung, Umsatz- und Ertragsvorschau, offene Forderungen.
  • Quartalsweise: Investitionen und Finanzierung überprüfen, Abweichungen zur Planung notieren.
  • Jährlich: Geschäftsmodell, Preis- und Vertriebsannahmen, Kapitalbedarf neu bewerten.

Zeitfresser dabei sind:

  1. Fehlende Belegablage, die ständiges Suchen erzwingt.
  2. Späte Rechnungserstellung.
  3. Unklare Zuständigkeiten im Team.
  4. Unterbrochene Telefonate ohne festen Rückrufblock.
  5. Investitionen ohne schriftliche Grundlage.

Praktisch ist, diese Punkte nach Dringlichkeit zu ordnen. Eine Dreiteilung genügt: diese Woche, diesen Monat, kann warten. Meine Empfehlung: einmal pro Woche zuordnen, damit das Tagesgeschäft die Reihenfolge nicht allein bestimmt.

Werkzeuge: kostenfreie INQA-Publikationen

Für den Aufbau der Rubriken ist keine kostenpflichtige Software nötig. Die INQA-Mediathek bietet kostenfreie, praxisnahe Unterstützung. Die Ergebnisliste umfasst 67 Publikationen. Der Aufbau ist dreigeteilt:

  • INQA-Checks und Kurzchecks für schnelle Bestandsaufnahmen und Umsetzungen im Betrieb.
  • Broschüren, Handlungshilfen und Leitfäden mit konkreten Anleitungen, unter anderem zu Digitalisierung, KI und Fachkräftesicherung.
  • Magazine mit Praxisbeispielen, Expertinnen-Interviews und übertragbaren Lösungsansätzen, etwa zur Fachkräftesicherung, Integration oder Weiterbildung.

Der Vorteil: Der Inhaber muss das Rad nicht neu erfinden. Wer unsicher ist, welcher Bereich zuerst dran ist, beginnt mit einem Kurzcheck. Das Ergebnis liefert Ansatzpunkte für die Rubriken im eigenen Rahmen.

Für die monatliche Runde lässt sich das so zusammenfassen. Der Inhaber trägt je Zeile Status und Datum ein.

Rubrik Monatlich Quartalsweise Jährlich
Geschäftsmodell nach Businessplan-Vorlage Kunden und Umsatz prüfen Wettbewerb, Standort, Preise Geschäftsidee, Nutzenversprechen
Finanzen nach Businessplan-Vorlage Liquidität, Umsatz- und Ertragsvorschau Investitionen, Kapitalbedarf Finanzierung, privater Finanzbedarf
Personal nach INQA-5-Schritte Personalüberblick Bedarf und Handlungsbedarf Strategie und Maßnahmen
Digitalisierung und Wandel Reaktionen im Team wahrnehmen Ängste und Bedenken ansprechen Werkzeuge und Schulungen
Werkzeuge und Checklisten Kurzcheck auswerten Broschüre vertiefen Magazin und Netzwerk nutzen

Das ersetzt keine Buchhaltung und kein Personalcontrolling, macht aber sichtbar, welche Felder über ein Jahr unbearbeitet bleiben.

Häufige Fragen

Welche Rubriken gehören in den Rahmen?

Vier genügen: Geschäftsmodell, Finanzen, Personal und Werkzeuge. Die IHK-Businessplanvorlage liefert die Gliederung für die ersten beiden, das INQA-Fünf-Schritte-Verfahren die Struktur für das Personal. Kostenfreie INQA-Checks ergänzen die Werkzeugrubrik.

Wie oft sollte ich die Rubriken durchgehen?

Monatlich für Finanzen und Personal, quartalsweise für Markt, Preise und Handlungsbedarf, jährlich für Strategie und Maßnahmen. Die genauen Termine hängen von Buchhaltung und Steuerberater ab. Sie gehören in den Kalender, sonst rutschen sie ins Tagesgeschäft.

Welche Werkzeuge sind kostenfrei?

Die INQA-Mediathek listet 67 Ergebnisse, darunter Checks und Kurzchecks, Broschüren zu Digitalisierung, KI und Fachkräftesicherung sowie Magazine mit Praxisbeispielen. Sie sind kostenfrei. Die IHK-Businessplanvorlage und die Handlungshilfe zur Personalplanung ergänzen sie.

Wo finde ich Vorlagen für die Personalplanung und den Businessplan?

Die Handlungshilfe "Strategische Personalplanung leicht gemacht" von INQA enthält das Fünf-Schritte-Verfahren, Checklisten, Praxisbeispiele sowie Tipps und Anlaufstellen. Die Businessplanvorlage der IHK führt durch Geschäftsidee, Markt, Wettbewerb, Standort, Preise, Vertrieb, Führung, Recht, Organisation, Mitarbeiter und Finanzen und enthält zusätzlich eine Vorlage für das Business Model Canvas. Beide sind für den Einstieg gedacht.

In diesem Leitfaden

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