Office meeting with diverse team, discussing strategy and productivity using charts on a whiteboard and screen.
Foto von Pavel Danilyuk auf Pexels

Unternehmensführung

Teil von Unternehmensgeschichten kleiner Betriebe: Was sich wirklich übertragen lässt

KfW-Fallbeispiele Digitalisierung Mittelstand: Projekte und Panelzahlen

KfW-Fallbeispiele zeigen Digitalisierung im Mittelstand, etwa Shuttle-Lager und digitale Plattformen. Dazu Zahlen aus dem KfW-Mittelstandspanel.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Laut KfW Research Fokus Nr. 502 vom 11. Juni 2025 nahmen Vorhaben zur Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen 2020 bis 2023 gegenüber 2014 bis 2017 um 20 Prozent zu.
  • Die Erneuerung von IT-Strukturen ging im selben Vergleich um 10 Prozent zurück, liegt mit 47 Prozent aber auf Rang zwei der sechs Projektarten.
Hohes Lagerregal mit Kartons in einem schmalen Gang
Symbolfoto: Hochregallager mit Kartons in einem Industrielager in Erligheim. Foto: JanatAMANNGroup, CC BY-SA 4.0. Originalbild und Lizenzhinweise.

Was die Fallbeispielsammlung dokumentiert

Die Fallbeispiele der KfW für Digitalisierung und Innovation im Mittelstand bündeln Vorhaben von der IT-Erneuerung bis zu KI-Innovationen.

Gegliedert ist die Sammlung in Produktion, Logistik, Dienstleistungen und weitere Bereiche. Jeder Eintrag hat Titel, Kurzbeschreibung und Verweis auf den Fallbericht; eine Vergleichsgruppe fehlt.

Aus der Produktion nennt die Übersicht Rhodius Mineralquellen, Weilburger Graphics und Noltehaus. Rhodius setzt auf neue Investitionen und die Potenziale der Mitarbeitenden, Weilburger Graphics digitalisiert seine Produktionsanlagen und steigert so den Umsatz, Noltehaus investiert als Familienbetrieb mutig.

Die Beispiele nach Branchen und Vorhaben

In der Logistik investiert der Onlinehändler Bergzeit mit KfW-Förderung in ein automatisiertes Shuttle-Lager. Teekanne optimiert mit einem voll automatisierten Rohwarenlager seine Prozesse und Ressourcen.

Die Baumann Group profitiert laut KfW von Wettbewerbsvorteilen durch ihre digitalisierte Logistik. Die Linden-Apotheke nutzt einen Kommissionierautomaten für die Warenvorrätigkeit.

Bei den Dienstleistungen nennt die Übersicht die Steuerberatungsgesellschaft WTS, die digitale Services und Prozesse ausbaut und Daten in einem System bündelt. Das Softwareunternehmen Fasihi stellt sich mit neuen digitalen Tools und Angeboten für die Zukunft auf.

Die Zahnarztpraxis PlatinumDent macht mit einer neuen IT-Infrastruktur den ersten Schritt zur Zukunftsfähigkeit. Das Diagnostikum Braunschweig setzt auf vernetzte Prozesse und moderne MRT-Technik für schnellere Abläufe und gute Versorgung.

Unter "Weitere" listet die KfW den Flughafen Memmingen mit einem Energieversorgungskonzept, den Tiefbauer Naue, bei dem Digitalisierung Chefsache ist, sowie CardiLink, dessen Sensoren Defibrillatoren im Ernstfall einsatzfähig halten.

Projektart laut Panel Anteil 2021 bis 2023 Veränderung 2020 bis 2023 gegen 2014 bis 2017
Kontakt zu Kunden und Zulieferern 63 % +9 %
Erneuerung IT-Strukturen 47 % -10 %
Aufbau von Knowhow 40 % -3 %
Reorganisation von Workflows 29 % +7 %
Digitale Marketing- und Vertriebskonzepte 27 % -4 %
Produkte und Dienstleistungen 25 % +20 %

Was die KfW-Forschung über die Aktivitäten zeigt

Die Fallbeispiele sind Einzelfälle. Ein breiteres Bild liefert der KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 502 vom 11. Juni 2025 auf Basis des KfW-Mittelstandspanels.

35 Prozent der Unternehmen haben im zurückliegenden Dreijahreszeitraum Digitalisierungsprojekte abgeschlossen, gut ein Drittel mehr als 2014 bis 2016.

Im Vergleich 2020 bis 2023 gegen 2014 bis 2017 legten Produkte und Dienstleistungen um 20 Prozent zu, der Kundenkontakt um 9 und Workflows um 7 Prozent.

Rückläufig waren Knowhow mit minus 3 Prozent, Marketing und Vertrieb mit minus 4 Prozent und die IT-Erneuerung mit minus 10 Prozent.

Die IT-Erneuerung bleibt mit 47 Prozent die zweithäufigste Projektart, Produkte und Dienstleistungen liegen mit 25 Prozent am Ende des Rankings.

Vorreiter und Nachzügler

Der Fokus Nr. 502 zeigt ein gemischtes Bild: Bei einfachen Vorhaben wie der Digitalisierung des Kundenkontakts holen breite Unternehmensgruppen auf.

Bei komplexeren Vorhaben wie der Reorganisation von Workflows, digitalen Marketing- und Vertriebskonzepten sowie dem Knowhow-Aufbau bauen Vorreiter ihren Vorsprung weiter aus. Bei Produkten und Dienstleistungen verbreitert sich die Basis, etwa bei Unternehmen ohne eigene Forschung und Entwicklung und bei regional agierenden Betrieben.

Unternehmen mit Hochschulabsolventen steigerten Vorhaben zur Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen um 59 Prozent, regional aktive um 25 und deutschlandweit aktive um 38 Prozent. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf die Bedeutung von Humankapital.

Im Baugewerbe stiegen Vorhaben zur Digitalisierung der Angebotspalette um 35 Prozent, was die KfW unter anderem mit Building Information Modelling und digitalen Vermessungssystemen erklärt. Die hohen Zuwachsraten gehen teils auf ein niedriges Ausgangsniveau zurück.

Was aus den Beispielen nicht ableitbar ist

Die Fallbeispielsammlung ist eine Auswahl. Aus ihr lässt sich nicht ablesen, wie verbreitet bestimmte Vorhaben sind oder wie hoch der typische Nutzen ausfällt.

Als Anregung sind die Vorhaben brauchbar, als Wirkungsbeleg nicht.

Auch die Zahlen aus dem Fokus Nr. 502 sind keine Wirkungsmessung. Sie zeigen, welcher Anteil der Unternehmen bestimmte Projektarten durchgeführt hat, aber nicht den Erfolg einzelner Vorhaben. Die Autoren nennen die Corona-Pandemie als Auslöser von Schüben und Rückschlägen.

Die Beispiele nennen qualitative Wirkungen, liefern aber keine systematische Wirkungsmessung.

Ob sich ein Vorhaben übertragen lässt, muss jede Leserin und jeder Leser selbst prüfen. Hilfreich ist, den eigenen Engpass zu benennen, Vergleichsangebote einzuholen und erwartete Effekte schriftlich festzuhalten.

Häufige Fragen

Welche Unternehmen nennt die KfW als Fallbeispiele für Digitalisierung? Genannt werden unter anderem Rhodius Mineralquellen, Weilburger Graphics, Noltehaus, Bergzeit und Teekanne; weitere Beispiele nennen die Branchenabschnitte.

Wie haben sich die Digitalisierungsaktivitäten im Mittelstand laut KfW entwickelt? Laut Fokus Nr. 502 vom 11. Juni 2025 nahmen Vorhaben zur Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen 2020 bis 2023 gegenüber 2014 bis 2017 um 20 Prozent zu; die IT-Erneuerung ging um 10 Prozent zurück.

Sind die Fallbeispiele repräsentativ für den Mittelstand? Nein. Es ist eine Auswahl einzelner Vorhaben; Verbreitung und Durchschnittswerte lassen sich daraus nicht ableiten.

Mehr aus Unternehmensführung