
Unternehmensführung
Teil von Unternehmensgeschichten kleiner Betriebe: Was sich wirklich übertragen lässt
Nachhaltigkeit: Praxisbeispiele aus Unternehmen im Vergleich
Nachhaltigkeit Praxisbeispiele Unternehmen: KfW-Porträts zu Vaude, mft und va-Q-tec mit konkreten Maßnahmen, plus VDI-Ressourcenchecks für kleine Betriebe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Drei KfW-Porträts zeigen Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell: Vaude, mft und va-Q-tec.
- Die Beispiele reichen von Markenführung über Wasseraufbereitung bis zu Dämmmaterial.
- Für den Einstieg kleiner Betriebe gibt es die Ressourcenchecks des VDI Zentrums Ressourceneffizienz.
Diese dokumentierten Beispiele zeigen unterschiedliche Wege
Die KfW porträtiert in ihren Stories mittelständische Unternehmen. Drei Porträts mit belegtem Nachhaltigkeitsbezug stehen hier im Mittelpunkt: Vaude, mft und va-Q-tec. Die Artikel erschienen 2017 und beschreiben den damaligen Stand.
Vaude wurde 2015 als Deutschlands nachhaltigste Marke ausgezeichnet. Geschäftsführerin Antje von Dewitz nennt den Titel im KfW-Interview von 2017 ein Etappenziel, nicht das Ende des Weges. Bis 2020 wollte Vaude vollständig auf Fluorcarbone verzichten.
Das eigene Öko-Siegel Green Shape soll ein ökologisch und sozial verträglich hergestelltes Produkt garantieren. Als Mitglied der Fair Wear Foundation lässt Vaude die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern unabhängig prüfen.
Beim Kölner Unternehmen mft verbindet sich eine soziale Aufgabe mit einer technischen Neuentwicklung. Frank Jacobs und sein Team entwickelten die Anlage RO Sea 100 für ein Dorf in der kolumbianischen Provinz La Guajira. Sie versorgt 250 Bewohner mit je zehn Litern Trinkwasser pro Tag und arbeitet mit Umkehrosmose und eigener Energieversorgung aus Sonnen- und Windkraft.
Die Entwicklung kostete rund 400.000 Euro, die KfW-Tochter DEG förderte davon gut 200.000 Euro. Der KfW-Artikel beschreibt das Projekt bis 2018 als Forschungsvorhaben.
Der Dämmstoffhersteller va-Q-tec stellt Vakuumisolationspaneele her. Laut dem KfW-Porträt von 2017 genügen zwei Zentimeter Paneel, wo konventionelles Styropor 20 Zentimeter dick wäre. Für einen 500-Liter-Speicher nennt Gründer Joachim Kuhn rund 550 Kilowattstunden Einsparung pro Jahr. Der Text nennt den Börsengang am 30. September 2016 als Meilenstein; damals war va-Q-tec börsennotiert.
Die drei Fälle setzen an unterschiedlichen Stellen an: Vaude an der Marke, mft an einem gesellschaftlichen Bedarf, va-Q-tec am Produkt selbst. Nachahmenswert ist für kleine Betriebe weniger die Größe als die Wahl des passenden Hebels.
| Beispiel | Ansatzpunkt | Belegte Maßnahme |
|---|---|---|
| Vaude | Marke | Öko-Siegel Green Shape, PFC-Verzicht bis 2020 |
| mft | Entwicklung | RO Sea 100 für 250 Menschen, Umkehrosmose mit eigener Energie |
| va-Q-tec | Produkt | Zwei statt 20 Zentimeter Dämmung, rund 550 kWh Einsparung je Speicher und Jahr |
Was sich auf kleine Betriebe übertragen lässt
Kleine Betriebe können einzelne Vorgehensweisen übertragen, aber nicht die großen Fälle kopieren.
Erstens den eigenen Ansatzpunkt finden, wie mft mit einem konkreten Problem. Zweitens das Produkt als Hebel prüfen, wie va-Q-tec. Drittens die eigene Geschichte prüfen, wie Vaude. Wer keinen Nachhaltigkeitsbezug im Kerngeschäft findet, sollte keinen konstruieren.
Für den Einstieg hilft eine strukturierte Bestandsaufnahme. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz bietet Ressourcenchecks als Fragebögen mit integrierten Checklisten an, für Fertigungsverfahren und übergeordnete Themen wie die Produktionsinfrastruktur. Die Auswertung liefert eine grobe Einschätzung und erste Hinweise auf Maßnahmen.
Laut Zentrum sind dafür nur Kenntnisse der eigenen Prozessabläufe nötig, eine Messkampagne nicht. Ein Check-Konfigurator stellt Prüfungen zusammen, abhängig von Verfahren und Themen wie Material und Energieeffizienz.
Ein sinnvoller Ablauf für kleine Betriebe:
- Zwei bis drei zentrale Prozesse auswählen, etwa Zuschnitt, Lager oder Verpackung.
- Passenden Ressourcencheck zusammenstellen und intern ausfüllen.
- Auffällige Bereiche mit geschätzten Mengen und Kosten hinterlegen.
- Eine Maßnahme mit kurzer Amortisationszeit zuerst umsetzen.
- Nach drei Monaten nachmessen.
Was ein Vorhaben realistisch kostet
Die drei Fälle liegen weit auseinander: mft nennt rund 400.000 Euro Entwicklungskosten, die DEG übernahm davon gut 200.000 Euro. Vaude musste 60 Produzenten für den PFC-Verzicht gewinnen. Solche Beträge sind projektspezifisch.
Beispielrechnung mit eigenen Annahmen: Kostet eine effizientere Kälteanlage 40.000 Euro und spart 6.000 Euro Energiekosten pro Jahr, ist die Investition nach rund sieben Jahren ausgeglichen. 40.000 geteilt durch 6.000 ergibt 6,7 Jahre; Finanzierungskosten und Förderanteil sind nicht eingerechnet.
Vor der Zusage lohnt eine eigene Schätzung: die Investitionssumme durch die Jahresersparnis teilen und die Amortisationszeit mit der geplanten Nutzungsdauer vergleichen. Liegt sie über der Nutzungsdauer, ist die Maßnahme ohne Förderung unwirtschaftlich.
Wer eine Maßnahme übernimmt, prüft ihre Wirkung im eigenen Betrieb. Wie stark Umsatz oder Beschäftigung steigen, hängt von der Ausgangslage ab.
Grenzen der Übertragbarkeit
Die vorgestellten Unternehmen sind ausgewählte Erfolgsgeschichten der KfW. Wer dort auftaucht, hat in der Regel bereits eine Lösung gefunden und finanziert.
Wer scheitert oder abbricht, taucht in solchen Porträts nicht auf. Branchen, Größen und Ausgangslagen unterscheiden sich erheblich, und Förderungen sind an Bedingungen gebunden.
Wer investiert, sollte die Amortisation vorher schätzen und nicht erwarten, dass sich eine Effizienzmaßnahme sofort auszahlt. Die in den Porträts genannten Einsparungen sind Angaben der Unternehmen und mit eigenen Messwerten zu prüfen.
Häufige Fragen
Welche Unternehmen stellt die KfW vor?
Drei Porträts mit belegtem Nachhaltigkeitsbezug: Vaude, mft und va-Q-tec. Sie behandeln Markenpositionierung, eine Wasseraufbereitungsanlage in Kolumbien und Vakuumisolationspaneele.
Welches Werkzeug hilft kleinen Betrieben beim Einstieg?
Die Ressourcenchecks des VDI Zentrums Ressourceneffizienz arbeiten mit Fragebögen und Checklisten und benötigen laut Anbieter nur Kenntnisse der eigenen Prozesse.
Welche Wirkung belegen die Porträts?
Belegt sind technische Wirkungen wie rund 550 Kilowattstunden Einsparung je Warmwasserspeicher und Jahr sowie die Kosten der mft-Anlage. Angaben zum Geschäftserfolg fehlen; eigene Messwerte bleiben nötig.


