
Unternehmensführung
Teil von Unternehmensgeschichten kleiner Betriebe: Was sich wirklich übertragen lässt
Welche internen und externen Ursachen führen typischerweise in eine Unternehmenskrise?
Unternehmenskrise erkennen: externe Auslöser, betriebliche Ursachen und ihr Zusammenwirken, Kennzahlen-Ampel und ein monatliches Frühwarnprogramm für den Betrieb.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Krisen entstehen nach den Befunden der Krisenursachenforschung in der Regel aus mehreren Faktoren statt aus einem einzigen Auslöser.
- Externe Gründe wie Konjunktur oder Kaufkraft sind selten allein ausschlaggebend.
- Die häufigsten Ursachen liegen im Betrieb, unter anderem bei der Unternehmerperson.
Was eine Unternehmenskrise überhaupt ist
Jedes Unternehmen muss irgendwann ernste Schwierigkeiten überwinden, so die IHK Braunschweig. Entscheidend ist, Krisen früh zu erkennen, ihnen vorzubeugen und sie rasch zu bewältigen. Dafür braucht es kaufmännischen Sachverstand.
Externe Krisenursachen erkennen
Externe Gründe sind laut IHK Braunschweig Konjunktur, Marktveränderungen, geändertes Kaufverhalten und Kaufkraftänderungen am Standort. Ein Beispiel ist die Schließung eines Bundeswehrstandortes, die einem Betrieb die Kundenbasis entzieht.
Wer nur externe Faktoren beobachtet, übersieht den Kern. Die IHK Braunschweig stellt klar: Unternehmenskrisen haben ihre Ursache meistens in Fehlern innerhalb des Unternehmens. Prüfen Sie deshalb neben äußeren Auslösern auch die Abläufe im eigenen Betrieb.
Markt und Wettbewerb sollten laufend beobachtet und ausgewertet werden, so die IHK Braunschweig.
Die IHK Braunschweig nennt fünf Felder mit den Hauptgründen: die Unternehmerperson mit ungenügender kaufmännischer oder fachlicher Qualifikation, Mängel der Planung (Unternehmensentwicklung, Marktentwicklung, Produktprogramm, Standortwahl), der Unternehmensführung, der Finanzen und der Unternehmenspartner.
Zu den Führungsproblemen zählen unzulänglicher Absatz, Fehlentscheidungen bei technologischer Ausstattung und Rohstoffsicherung sowie schlecht ausgebildete und häufig wechselnde Mitarbeiter. Bei den Finanzen: zu wenig Eigenkapital, zu hohe Kostenbelastung, mangelhafte Liquiditätsplanung, Mängel im Rechnungswesen, späte Rechnungserstellung, schlechtes Forderungsmanagement und fehlender Überblick über Einnahmen und Ausgaben. Bei den Partnern: verspätete Zahlungen und Forderungsausfälle.
Warum Krisen meist mehrere Ursachen haben
Krisen entstehen in der Regel aus dem Zusammenwirken vieler Faktoren, was die IHK Braunschweig Multikausalität nennt. Einzelne Gegenmaßnahmen greifen deshalb oft zu kurz.
Typisch ist eine Kette: Der Betrieb wird von veränderten Gegebenheiten wie neuer Konkurrenz, Nachfrageeinbruch oder dem Ausstieg eines Gesellschafters überrascht und kann nicht mehr reagieren. Kommen die genannten Finanzmängel hinzu, engt sich der Liquiditätsspielraum bis zur Zahlungsunfähigkeit ein.
Eine zweite Konstellation: Die Leitung verkennt die Lage wegen Unaufmerksamkeit oder mangelnder Dokumentation, sodass schleichende Verschlechterungen unbemerkt bleiben. Auch nicht rentable Investitionen, falsche Personalentscheidungen und zu langsame Entscheidungen können die Krise auslösen.
Gegenmaßnahmen: von der Früherkennung bis zur Geschäftsbereichsprüfung
Die IHK Braunschweig gliedert die Früherkennung mit der Früherkennungstreppe in Früherkennung, Späterkennung und Sehrspäterkennung. Die Fragen dieser drei Stufen greift die Prüftabelle weiter unten auf.
Wer bei den frühen Fragen mit Nein antwortet, sollte Planung und Konzept prüfen. Ein Nein erst in der Sehrspäterkennung gefährdet den Fortbestand; einschneidende Veränderungen werden dann wahrscheinlich unumgänglich.
Die IHK Braunschweig nennt im Beitrag vom August 2018 mehrere Kennzahlen. Dazu zählen die Eigenkapitalquote (mindestens 10 Prozent, lieber mehr, damals genannter westdeutscher Durchschnitt etwa 20 Prozent), die Kapitalrückflussquote (über 4 Prozent), die Umsatzrendite (über 1 Prozent) und die Cash-Flow-Marge (über 2 Prozent). Auch der dynamische Verschuldungsgrad dient als Frühwarnindikator. Bilanzkennzahlen sind branchenabhängig, doch die Häufung kritischer Werte gilt als Warnsignal.
Für die Frühphase empfiehlt die Quelle eine Kostenstellenrechnung, um verlustbringende Bereiche zu identifizieren, etwa veraltete Produktgruppen und Waren aus schrumpfenden Branchen. Erfolgreiche Produkte müssen ihre Marktposition behaupten, wozu Kosten zu prüfen und zu senken sind. Ergänzend nennt die Quelle Marketing und Vertrieb, die Erweiterung der Produktpalette und neue Märkte.
Früherkennung in den Betriebsalltag einbauen
Aus den Fragen der Früherkennungstreppe lässt sich als eigene Prüfempfehlung ein regelmäßiges Programm ableiten, das an feste Termine gebunden ist. Die folgende Tabelle nennt Prüfpunkte und Frequenzen.
| Prüfpunkt | Frage | Frequenz |
|---|---|---|
| Kunden | Genug neue Kunden gewonnen? | monatlich |
| Produkte und Ideen | Neue Produkte und Geschäftsideen? | halbjährlich |
| Umsatz und Kosten | Umsatz steigt, Kosten im Griff? | monatlich |
| Ergebnis | Betriebsergebnis gut? | vierteljährlich |
| Liquidität | Flüssiges Geld, Lieferantenkredit, Bank? | monatlich |
Entscheidend ist die Dokumentation der Antworten, damit aus Momentaufnahmen ein Verlauf wird.
Ergänzend hilft die Auswertung der Monatszahlen: Wer Umsatz und Kosten nach Geschäftszweig zurechnen kann, erkennt, welche Aktivität trägt. Verdeckte Kostenpunkte findet die systematische Analyse der Abläufe, so die IHK Chemnitz zu Betriebskosten.
Gegenmaßnahmen bei Personal, Kosten und Forderungen
Bei Personalkosten nennt die IHK Chemnitz flexible Vertragsgestaltung, Zeitarbeit oder Auftragsarbeit statt Festanstellung sowie Kurzarbeitergeld bei vorübergehender Verkürzung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit aus wirtschaftlichen Ursachen oder unabwendbaren Ereignissen. Bei Gewerbemieten sind mit dem Vermieter oft Reduktion oder Stundung möglich.
Bei offenen Rechnungen stehen außergerichtliche und gerichtliche Mahnverfahren, Mediation und die Schlichtungsstelle für kaufmännische Streitigkeiten bereit. Die Quelle unterscheidet fixe Kosten wie Gewerbemieten, Personal und Versicherungen von variablen Kosten wie Waren- und Materialeinsatz oder Produktionsstrom.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache einer Unternehmenskrise?
Nach Angaben der IHK Braunschweig liegt ein Hauptgrund in der Unternehmerperson, genauer in ungenügender kaufmännischer oder fachlicher Qualifikation.
Sind externe Ursachen oder interne Fehler entscheidender?
Nach Angaben der IHK Braunschweig liegen die Ursachen meistens im Unternehmen selbst. Externe Faktoren wirken häufig zusätzlich.
Welche Kennzahlen eignen sich zur Früherkennung?
Genannt werden Eigenkapitalquote (mindestens 10 Prozent), Kapitalrückflussquote (über 4 Prozent), Umsatzrendite (über 1 Prozent), Cash-Flow-Marge (über 2 Prozent) und dynamischer Verschuldungsgrad (Text von August 2018).


