A man participating in a video conference call with a colleague on a laptop at home.
Foto von Gustavo Fring auf Pexels

Unternehmensführung

Teil von Unternehmensgeschichten kleiner Betriebe: Was sich wirklich übertragen lässt

Betriebsübergabe Beispiele: drei dokumentierte Fälle der KfW im Vergleich

Drei dokumentierte Betriebsübergaben aus dem KfW-Dossier im Vergleich: Auris, HZD und TKT zeigen Wege der Nachfolge, Unterschiede und Grenzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die KfW stellt in ihrem Nachfolge-Dossier mehrere Betriebsübergaben vor, darunter Auris, HZD und TKT (KfW-Nachfolge-Dossier).
  • Auris übernahmen Anfang 2016 zwei langjährige Angestellte, HZD 2015 ein Branchenspezialist von außen.
  • Bei TKT übernahm 2013 Peter Brinkmann mit seiner Frau Annemarie.
  • Die drei Beispiele stehen für Angestelltenkauf, externen Kauf und Paarübernahme, sagen aber nichts über Erfolgsquoten.
Teilmontierter Schrankkorpus aus Holzdekor mit Akkuschrauber in einer Werkstatt
Symbolfoto: Ein teilmontierter Schrankkorpus in einer Schreinerei in Werbach veranschaulicht die handwerkliche Arbeit, die bei einer Betriebsübergabe fortgeführt wird. Foto: Triplec85, CC BY-SA 4.0. Originalbild und Lizenzhinweise.

Drei dokumentierte Übergaben und ihre Auswahl

Das KfW-Nachfolge-Dossier stellt mehrere Unternehmensgeschichten als Beispiele für gut geplante Nachfolgen vor (KfW-Nachfolge-Dossier). Drei lassen sich anhand einheitlicher Kriterien vergleichen: Auris, die Havelländische Zink-Druckguss GmbH & Co. KG (HZD) und die TKT Kunststoff-Technik GmbH.

Die Auswahl folgt der Quellenlage: Zu allen drei Fällen nennt das Dossier Übernehmer und Jahre. Andere Beispiele wie ein Uhrmacherbetrieb aus Dresden oder die Özcan GmbH aus Berlin sind dort ebenfalls dokumentiert, werden hier aber nicht vertieft.

Auris: Übernahme aus dem Angestelltenverhältnis

Claudia Brömel und Anja Fromm sind Hörakustik-Meisterinnen. Fast ihr ganzes Berufsleben waren sie bei Auris angestellt. Anfang 2016 übernahmen sie das Unternehmen im Rahmen der Nachfolge (KfW-Nachfolge-Dossier). Auris steht damit für die Übernahme durch langjährige Beschäftigte.

Dieser Weg setzt Vertrautheit mit Abläufen, Kunden und Team voraus. Die Übernehmerinnen kannten den Betrieb bereits. Für Inhaberinnen und Inhaber ist diese Variante eine Lösung, wenn in der Familie niemand übernehmen will.

HZD: Branchenspezialist übernimmt 2015

Petar Marovic ist Spezialist für Druckguss und dachte in seiner Laufbahn mehrfach über Selbstständigkeit nach. 2015 übernahm er die Havelländische Zink-Druckguss GmbH & Co. KG und baut sie laut Dossier zu einem modernen Industriebetrieb aus (KfW-Nachfolge-Dossier).

Der Fall steht für eine Übernahme durch eine fachlich erfahrene Person von außen. Anders als bei Auris kam der Übernehmer nicht aus dem eigenen Haus, sondern brachte Branchenkenntnis und eigene Vorstellungen zur Weiterentwicklung mit.

TKT: Paarübernahme 2013

Peter Brinkmann übernahm 2013 mit seiner Frau Annemarie die TKT Kunststoff-Technik GmbH, laut Dossier ein führender Anbieter von Kunststoffbauteilen (KfW-Nachfolge-Dossier). Das Unternehmen war Landessieger Niedersachsen des KfW Awards Gründen 2017.

Die gemeinsame Übernahme durch zwei Personen verteilt Aufgaben und Risiko auf zwei Schultern. Sie verlangt aber abgestimmte Zuständigkeiten, besonders bei Führung und Finanzierung.

Fall Übernahmejahr Weg der Übernahme
Auris Anfang 2016 Zwei langjährige Angestellte
HZD 2015 Externer Branchenspezialist
TKT 2013 Ehepaar, gemeinsam

Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Übergabeweg

Alle drei Fälle verbindet der Wille, den Betrieb fortzuführen. Das Dossier präsentiert sie als Beispiele für gut geplante Nachfolge (KfW-Nachfolge-Dossier). Eine Erfolgsquote lässt sich daraus nicht ableiten.

Unterschiedlich ist die Herkunft der Nachfolgenden: bei Auris aus dem Angestelltenverhältnis, bei HZD aus der Branche von außen, bei TKT als Paar. Auch die Branchen unterscheiden sich stark, vom Hörakustikhandwerk über Druckguss bis zur Kunststofftechnik.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Größenordnung. Auris wird als Hörakustikunternehmen beschrieben, HZD als Industriebetrieb, TKT als Anbieter von Kunststoffbauteilen. Das beeinflusst Finanzierungsbedarf und Übergabedauer.

Was die Fälle über Nachfolgeformen zeigen

Die drei Beispiele zeigen, dass Übergaben außerhalb der Familie möglich sind. Das deckt sich mit dem KfW-Nachfolge-Monitoring: 53 Prozent aller Mittelständler favorisieren eine familieninterne Lösung, gefolgt von Verkauf an Externe (45 Prozent) oder an Mitarbeitende (26 Prozent) (KfW-Nachfolge-Monitoring 2023). Mehrfachnennungen sind möglich.

Laut Monitoring sollen rund 100.000 mittelständische Unternehmen jährlich übergeben oder verkauft werden. Das sind allein 2022 und 2023 rund fünf Prozent aller 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland (KfW-Nachfolge-Monitoring 2023).

Gemeinsame Voraussetzung der Fälle ist frühzeitige Planung. Das Monitoring nennt als häufigste Hürde den Mangel an geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern, mit dem sich 79 Prozent aller Mittelständler konfrontiert sehen. Es folgt die Einigung auf einen Kaufpreis mit 34 Prozent (KfW-Nachfolge-Monitoring 2023).

Für die Praxis folgt daraus, den Übergabeweg nicht auf eine Option zu verengen. Wer Angestellte, externe Interessenten und Familienmitglieder parallel anspricht, erhöht die Chance auf eine tragfähige Lösung, bevor der Betrieb stillgelegt werden muss.

Grenzen: Einzelfälle sind nicht verallgemeinerbar

Die drei Beispiele hat die KfW ausgewählt und publiziert. Daraus lässt sich keine Erfolgsquote ableiten. Rückschlüsse auf alle Betriebsübergaben im Mittelstand sind nicht möglich.

Das Dossier stellt gelungene Nachfolgen vor. Schwierige oder gescheiterte Übergaben werden dort nicht in gleicher Tiefe beschrieben. Wer sich auf die Beispiele stützt, sollte sie als Orientierung verstehen, nicht als Prognose für den eigenen Fall.

Häufige Fragen

Sind die genannten Übernahmejahre gesichert? Die Jahre stammen aus der KfW-Quelle: Anfang 2016 für Auris, 2015 für HZD und 2013 für TKT. Eine unabhängige Prüfung dieser Angaben liegt nicht vor.

Welcher Weg war der häufigste? Aus drei Fällen lässt sich kein häufigster Weg ableiten. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring wird die familieninterne Übergabe mit 53 Prozent am stärksten bevorzugt (KfW-Nachfolge-Monitoring 2023).

Was lässt sich für die eigene Planung mitnehmen? Mehrere Optionen parallel zu prüfen und frühzeitig zu beginnen, wird durch die genannten Hürden gestützt. Die Fälle zeigen zudem, dass Übernahmen durch Angestellte, Externe und Paare möglich sind (KfW-Nachfolge-Dossier).

Mehr aus Unternehmensführung

Unternehmensführung

Wann ist in Sachsen eine Neueintragung nach der Handwerksordnung nötig?

Unternehmensführung kleinbetrieb in Sachsen: Wann Neueintragung oder Umfirmierung in die Handwerksrolle nötig ist und welche Fristen gelten.