Wachstum

Wachstum finanzieren mit KfW und Landesförderbanken im Vergleich

Wachstum Handwerksbetriebe: KfW-Förderkredite und Landesförderbanken im Vergleich, mit Zinssätzen, Bedingungen und Antrag in sieben Schritten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Für Wachstum Handwerksbetriebe zählt vor allem, ob ein Vorhaben über KfW-Förderkredite, KfW-Zuschüsse oder ein Programm der Landesförderbank läuft.
  • Die KfW vergibt ihre Programme bundesweit einheitlich, die Landesförderbanken ergänzen sie mit eigenen Zinssätzen, Tilgungszuschüssen und Bürgschaften.
  • In Ostdeutschland sind Zinssätze und Zuschussquoten häufig günstiger, in Westdeutschland entscheidet stärker die Hausbank über Zins und Aufschlag.
  • Anträge laufen fast immer über die Hausbank, nicht direkt bei der Förderbank, und müssen vor Vorhabenbeginn gestellt werden.
  • Gefälschte Förderportale und Phishing-Mails sind ein reales Risiko, die KfW warnt ausdrücklich davor.

KfW-Förderkredite und Zuschüsse für Wachstum im Überblick

Die KfW ist die Förderbank des Bundes. Sie vergibt keine Zuschüsse ohne Bedingungen, sondern kombiniert zinsgünstige Darlehen mit Zuschüssen und Bürgschaften. Für Handwerksbetriebe sind zwei Töpfe zentral: der Kredit für Investitionen und Wachstum sowie die Energie- und Effizienzprogramme.

Wer Maschinen, Fahrzeuge, Werkstattflächen oder digitale Systeme finanziert, landet meist im ERP-Förderkredit oder im Kredit für Wachstum. Beide laufen über die Hausbank, die den Antrag stellt. Die KfW bietet dafür Förderkredite und Zuschüsse für kleine und mittlere Unternehmen an, von der Existenzgründung bis zur Erweiterung.

Der Unterschied zwischen Kredit und Zuschuss ist praktisch wichtig. Ein Kredit muss zurückgezahlt werden, senkt aber die Zinslast gegenüber dem normalen Bankdarlehen. Ein Zuschuss verringert die Investitionssumme direkt, wird aber nur für bestimmte Zwecke vergeben, etwa Energieberatung oder Effizienzmaßnahmen.

Für Wachstumsfinanzierung ist das Programm für Investitionen und Wachstum der Standardweg. Die KfW-Förderung für Investitionen und Wachstum deckt Erweiterungen, Rationalisierungen und Digitalisierung ab und ist für Betriebe bis 500 Millionen Euro Umsatz gedacht.

Die KfW-Inlandsförderung als Programmübersicht bündelt alle Programme an einer Stelle. Wer den Überblick braucht, findet dort die aktuelle Programmliste mit Laufzeiten und Zinsbindungen.

KfW-Programme mit Beispielzinssätzen

Die folgenden Werte sind Beispielwerte für Ihre Kalkulation. Die Zinssätze werden monatlich neu festgelegt, verbindlich ist allein das schriftliche Angebot der Hausbank.

KfW-Programm Beispielzinssatz effektiv p. a. Zinsbindung Laufzeit Typische Bedingung
ERP-Förderkredit 2,5 bis 4,5 Prozent 5, 10 oder 20 Jahre bis 20 Jahre bis 25 Mio. Euro, volle Finanzierung möglich
Kredit für Wachstum 3,0 bis 5,0 Prozent 5 oder 10 Jahre bis 10 Jahre Erweiterung, Rationalisierung, Digitalisierung
Kredit für Digitalisierung 3,0 bis 5,0 Prozent 5 oder 10 Jahre bis 10 Jahre Hardware, Software, Schulung
Energieeffizienz Produktion ab 2,5 Prozent 10 Jahre bis 20 Jahre Tilgungszuschuss bei Effizienznachweis
KfW-Zuschuss Energieberatung kein Zins, Zuschussanteil 50 bis 80 Prozent entfällt entfällt Beratung muss vor der Investition liegen

Der wichtigste Posten ist der Aufschlag der Hausbank. Er liegt häufig zwischen 0,5 und 1,5 Prozentpunkten und steht in keinem KfW-Merkblatt, sondern nur im Angebot Ihres Kreditinstituts.

Was die KfW nicht finanziert

Reine Betriebsmittel ohne Investitionsbezug, Umschuldungen alter Kredite und Vorhaben, die vor Antragstellung begonnen wurden, fallen in der Regel heraus. Wer im Januar eine Maschine bestellt und im März den Antrag stellt, verliert die Förderfähigkeit.

Landesförderbanken in West- und Ostdeutschland im Vergleich

Jedes Bundesland hat eine eigene Förderbank. Sie arbeitet mit Landesgeld, ergänzt die KfW und setzt eigene Schwerpunkte. Für Handwerksbetriebe ist das oft der Hebel, der über Zinssatz und Zuschusshöhe entscheidet.

In Westdeutschland sind die Strukturen gewachsen und stark auf Mittelstand und Innovationsförderung ausgerichtet. In Ostdeutschland kommen Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur hinzu, was Zuschüsse erhöht.

Region Förderbank (Beispiel) Typischer Schwerpunkt
Nordrhein-Westfalen NRW.BANK Mittelstand, Digitalisierung, Energie
Baden-Württemberg L-Bank Existenzgründung, Innovation, Wohnen
Bayern LfA Förderbank Bayern Mittelstand, Technologie, Regionalförderung
Niedersachsen NBank Mittelstand, Gründung, Infrastruktur
Hessen Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Mittelstand, Innovation
Sachsen Sächsische Aufbaubank Regionalförderung, Mittelstand
Rheinland-Pfalz Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz Mittelstand, Dorfentwicklung
Schleswig-Holstein Investitionsbank Schleswig-Holstein Mittelstand, Energie, Häfen

Die Tabelle zeigt nur Schwerpunkte. Ob ein Handwerksbetrieb tatsächlich Geld bekommt, hängt vom Einzelfall, der Region und der Hausbank ab.

Systematischer Vergleich KfW gegen Landesförderbanken

Die Spannen beruhen auf typischen Auskünften von Hausbanken und Förderbanken. Sie ersetzen kein konkretes Angebot, machen den Unterschied zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland aber sichtbar.

Merkmal KfW Landesförderbanken Westdeutschland Landesförderbanken Ostdeutschland
Beispielzinssatz 2,5 bis 5,0 Prozent 2,0 bis 4,5 Prozent 1,5 bis 4,0 Prozent
Zuschussanteil nur zweckgebunden bis 20 Prozent bis 40 Prozent
Zinsbindung 5 bis 20 Jahre 5 bis 15 Jahre 5 bis 20 Jahre
Laufzeit bis 20 Jahre bis 15 Jahre bis 20 Jahre
Antragsweg ausschließlich Hausbank Hausbank oder Förderbank Hausbank oder Förderbank
Bearbeitungsdauer 2 bis 6 Wochen 4 bis 12 Wochen 4 bis 12 Wochen
Doppelförderung ausgeschlossen ausgeschlossen ausgeschlossen

Westdeutsche Betriebe profitieren von der breiteren Programmpalette, zahlen aber näher am Markt. Ostdeutsche Betriebe erhalten höhere Zuschussquoten, müssen dafür strengere Nachweise führen.

Was das für die Kammern bedeutet

Die Handwerkskammer kennt die regionalen Programme und berät ihre Mitglieder. Die Industrie- und Handelskammer tut das für angrenzende Gewerke. Beide verweisen an die Förderbank des Landes und an die Hausbank.

Zinssätze und Bedingungen der Förderprogramme

Zinssätze bei Förderkrediten sind nicht frei verhandelbar wie bei einem normalen Bankdarlehen. Die Förderbank gibt einen Zinssatz vor, die Hausbank darf einen Aufschlag verlangen. Dieser Aufschlag ist der Punkt, an dem sich Angebote deutlich unterscheiden.

Ein Förderkredit hat meist eine Zinsbindung von fünf, zehn oder zwanzig Jahren. Je länger die Bindung, desto höher der Zinssatz. Wer in zehn Jahren plant, sollte die Zinsbindung nicht kürzer wählen, sonst droht das Zinsänderungsrisiko mitten in der Tilgung.

Bedingungen der Landesförderbanken je Region

Die Zinssätze und Zuschussquoten der Landesförderbanken hängen vom Regionalfördergebiet ab. Die folgende Übersicht nennt typische Größenordnungen für einen Wachstumskredit über 300.000 Euro.

Förderbank Beispielzinssatz Zuschussquote Tilgungsfreie Anlaufjahre
NRW.BANK 2,0 bis 4,0 Prozent bis 15 Prozent 1 bis 2
L-Bank 2,0 bis 4,5 Prozent bis 15 Prozent 1 bis 3
LfA Förderbank Bayern 2,0 bis 4,0 Prozent bis 20 Prozent 1 bis 3
NBank 2,0 bis 4,5 Prozent bis 20 Prozent 1 bis 2
Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen 2,0 bis 4,5 Prozent bis 20 Prozent 1 bis 2
Sächsische Aufbaubank 1,5 bis 3,5 Prozent bis 40 Prozent 2 bis 5
Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz 2,0 bis 4,5 Prozent bis 20 Prozent 1 bis 2
Investitionsbank Schleswig-Holstein 2,0 bis 4,5 Prozent bis 15 Prozent 1 bis 2

Die Zinssätze ändern sich monatlich. Wer heute kalkuliert, sollte den Zinssatz der Förderbank und den Aufschlag der Hausbank getrennt ausweisen und beide im Angebot schriftlich verlangen.

Bedingungen, die jedes Programm verlangt

  • Vorhaben noch nicht begonnen
  • Hausbank bereit, den Antrag zu stellen
  • Zinsbindung passend zur geplanten Nutzungsdauer
  • Aufschlag der Hausbank im Angebot ausgewiesen
  • Keine Doppelförderung derselben Kosten
  • Zweckbindung eines Zuschusses eingehalten
  • Eigenkapital von mindestens 10 bis 20 Prozent nachgewiesen

Wer einen KfW-Zuschuss beantragt, muss zusätzlich belegen, dass die Beratung vor der Investition stattgefunden hat. Wer einen Landeszuschuss beantragt, muss die Investitionskosten getrennt abrechnen.

Wachstum finanzieren: Schritt für Schritt zum Förderkredit

Der Weg zum Förderkredit ist ein Verfahren, kein Gespräch. Wer die Reihenfolge einhält, verliert keine Fördermöglichkeit.

  1. Vorhaben definieren. Schreiben Sie auf, was Sie kaufen, was es kostet und wann es geliefert wird. Ohne diese Liste kann keine Bank einen Antrag stellen.
  2. Programm auswählen. Prüfen Sie KfW-Programm und Landesprogramm parallel. Oft lässt sich ein Landesprogramm mit einem KfW-Kredit kombinieren, wenn die Kosten getrennt sind.
  3. Hausbank ansprechen. Die Hausbank stellt den Antrag und bewertet die Bonität. Fragen Sie nach dem Aufschlag auf den Förderzinssatz.
  4. Antrag vor Vorhabenbeginn stellen. Die Bewilligung muss vor Bestellung oder Baubeginn vorliegen. Das ist die häufigste Fehlerquelle.
  5. Unterlagen einreichen. Jahresabschlüsse, Umsatzsteuervoranmeldungen, Investitionsplan, Kostenangebote. Der Bundesanzeiger dient als Nachweis für hinterlegte Abschlüsse.
  6. Bewilligung abwarten. Erst danach Auftrag erteilen oder Bau beginnen.
  7. Nachweise führen. Rechnungen, Zahlungsbelege und Verwendungsnachweis sammeln. Das Finanzamt prüft die Umsatzsteuer, die Förderbank den Verwendungsnachweis.

Wo der Antrag hängt

Der Antrag hängt fast nie an der Förderbank, sondern an der Hausbank. Wer eine Hausbank hat, die selten Förderkredite stellt, verliert Zeit. Ein Wechsel der Hausbank nur für die Förderung ist möglich, aber vor dem Antrag zu klären.

Beispielrechnung für einen Handwerksbetrieb

Ein Elektrobetrieb in Sachsen mit zwölf Beschäftigten will eine neue Werkstatt mit Lager bauen. Investitionssumme: 600.000 Euro. Eigenkapital: 120.000 Euro. Finanzierungsbedarf: 480.000 Euro.

Der Betrieb prüft drei Wege. Erstens ein normales Bankdarlehen zum Beispielzins von 6,0 Prozent. Zweitens ein KfW-Förderkredit zum Beispielzins von 4,0 Prozent plus 1,0 Prozentpunkt Hausbankaufschlag. Drittens ein Landesprogramm der Sächsischen Aufbaubank zum Beispielzins von 2,5 Prozent plus 0,5 Prozentpunkte Aufschlag, kombiniert mit einem KfW-Kredit.

Variante Betrag Zins p. a. Zinslast im ersten Jahr Wirkung
Bankdarlehen 480.000 Euro 6,0 Prozent 28.800 Euro Marktzins, kein Zuschuss
KfW-Förderkredit 480.000 Euro 5,0 Prozent 24.000 Euro Zinsvorteil 4.800 Euro
Land plus KfW 300.000 plus 180.000 Euro 3,0 und 5,0 Prozent 18.000 Euro Zinsvorteil plus Zuschussanteil

Die dritte Variante bringt den höchsten Vorteil. Der Landesanteil enthält einen Zuschuss von bis zu 40 Prozent, der die Investitionssumme senkt. Bei 300.000 Euro Fördervolumen wären das bis zu 120.000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Der Betrieb muss den Antrag vor Baubeginn stellen. Er muss die Kosten trennen, damit keine Doppelförderung entsteht. Er muss die Zinsbindung auf zehn Jahre legen, weil die Werkstatt über zwanzig Jahre genutzt wird und eine kürzere Bindung ein Zinsänderungsrisiko bedeutet.

Ein zweites Beispiel: Ein SHK-Betrieb in Nordrhein-Westfalen kauft zwei Fahrzeuge für 140.000 Euro. Bei einem Beispielzins von 3,5 Prozent statt 6,0 Prozent Marktzins spart er im ersten Jahr rund 3.500 Euro, ein Landesprogramm greift nur, wenn zusätzlich eine Energie- oder Digitalisierungsmaßnahme dazukommt.

Betrugsrisiken bei Förderanträgen erkennen

Förderprogramme ziehen Betrüger an. Sie nutzen die Unsicherheit von Betrieben, die schnell Geld brauchen, und die Autorität des Namens KfW.

Die KfW warnt vor Fake-Websites, Phishing-Mails und betrügerischen Angeboten in sozialen Medien. Diese Seiten sehen aus wie Förderportale, verlangen aber Vorkasse für einen angeblichen Antrag. Die Warnung vor Fake-Websites und Phishing-Mails listet die bekannten Muster auf.

Die KfW verlangt keine Vorkasse für einen Förderantrag. Sie stellt keine Anträge über soziale Medien und fordert keine Zahlung per Krypto oder Geschenkkarte. Wer eine solche Aufforderung erhält, sollte sie nicht beantworten.

Auch bei Landesförderbanken gilt: Der Antrag läuft über die Hausbank oder direkt über das Portal der Förderbank, nie über einen Vermittler, der eine Gebühr für die Zusage verlangt.

Ein weiteres Risiko liegt im Antrag selbst. Wer Kosten aufbläht, Rechnungen nachträglich ändert oder ein Vorhaben vor der Bewilligung beginnt, riskiert die Rückforderung und im Wiederholungsfall ein Strafverfahren wegen Subventionsbetrugs.

Warnzeichen im Überblick

  • Vorkasse für einen Antrag
  • Kontakt nur über Messenger oder soziale Medien
  • Zusage innerhalb von Stunden ohne Prüfung
  • Aufforderung, falsche Angaben zu machen
  • Vermittler, der eine Erfolgsgebühr verlangt

Häufige Fragen

Kann ich KfW und Landesförderbank kombinieren? Ja, wenn die Kosten getrennt sind und keine Doppelförderung entsteht. Die Hausbank stellt beide Anträge und stimmt die Programme ab.

Wer stellt den Antrag bei der KfW? Die Hausbank, nicht der Betrieb. Der Betrieb liefert Unterlagen und Investitionsplan, die Bank reicht ein.

Warum ist der Antrag vor Vorhabenbeginn so wichtig? Weil die Förderung sonst entfällt. Bestellung, Baubeginn oder Vertragsunterschrift vor der Bewilligung machen das Vorhaben nicht förderfähig.

Sind die Zinssätze der Förderbanken fest? Nein, sie werden monatlich angepasst. Die Hausbank darf einen Aufschlag verlangen, der im Angebot stehen muss.

Lohnt sich ein Landesprogramm in Westdeutschland? Oft ja, vor allem bei Digitalisierung, Energie und Innovation. Die Zuschussquoten sind niedriger als in Ostdeutschland, die Zinssätze liegen näher am Markt.

Wie erkenne ich ein Fake-Förderportal? Es verlangt Vorkasse, drängt zu schneller Zahlung und kontaktiert über soziale Medien. Die KfW warnt ausdrücklich vor solchen Angeboten.

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