Executive in suit writing on whiteboard, explaining business graph.
Foto von Yan Krukau auf Pexels

Geschäftsmodelle

Teil von Geschäftsmodell anpassen: Wann kleine Betriebe ihr Modell überprüfen sollten

Plattformgeschäft für KMU ohne eigene IT aufbauen

Plattformgeschäft für KMU ohne eigene IT: belegte Einstiege über Serviceplattformen, Online-Beratung, D2C und Kooperationen, mit Canvas und Kooperationsregeln.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Plattformgeschäft beginnt mit Nutzenversprechen, Kundensegment und Ertragsmodell, nicht mit Code.
  • Drei belegte Beispiele: bestehende Service- oder Terminplattform nutzen, Online-Beratung anbieten, D2C über Influencer.
  • Kooperationen gehören dazu: langfristig schriftlich, kurzfristig kann der Handschlag reichen.
  • Einstiegswege ohne eigene IT sind Vorschläge dieses Beitrags.
Unordentlicher Büroschreibtisch mit Drucker, Papierstapeln und Büchern
Symbolfoto: Ein unordentlicher Büroschreibtisch mit Drucker, Papierstapeln, Büchern und Büromaterial. Die Szene illustriert typische organisatorische Aufgaben und Dokumentenmanagement, die beim Aufbau einer Plattform ohne eigene IT-Abteilung anfallen können. Foto: Yinan Chen, Public Domain. Originalbild und Lizenzhinweise.

Plattformtypen verstehen

Wer ein Plattformgeschäft prüft, klärt zuerst das Nutzenversprechen: Zielgruppe, Nutzen, Finanzierung. Die IHK Schwaben stellt dafür vier Fragen: Kunde, Nutzen, Produktion und Ertrag (vier Dimensionen und Methoden). Die IHK Darmstadt beschreibt digitale Plattformen für Serviceangebote als Modelle, die Terminvereinbarung, Finanzierungsberatung, digitale Vertragsabwicklung und ein Servicepaket erleichtern (digitale Plattformen).

Die IHK Darmstadt beschreibt diese Beispiele, die sich als Einstieg nutzen lassen:

  1. Bestehende Service- oder Terminplattform nutzen: Der Betrieb erscheint als Anbieter. Die Plattform erleichtert Terminvereinbarung, Finanzierungsberatung und digitale Vertragsabwicklung.
  2. Online-Beratung über eine bestehende Plattform anbieten: Kunden erhalten teils rund um die Uhr Rat ohne Anreiseaufwand.
  3. D2C über Influencer-Marketing: Händler bewerben Produkte über Personen mit großer Anhängerschaft und bauen eine direkte Marke-Endkunde-Verbindung auf.
  4. Kooperation als Verstärker: Kooperationsbereitschaft nennt die IHK Darmstadt als Erfolgsfaktor.

Die IHK Schwaben beschreibt das Business Model Canvas als eine der häufigsten Methoden zur Entwicklung von Geschäftsmodellen. Es untergliedert jedes Modell in neun Segmente, von Zielgruppen über Kanäle bis zu Schlüsselaktivitäten. Für den Einstieg reichen ein großer Bogen Papier und Haftnotizen. Die IHK empfiehlt, die Vorlage im Team unterschiedlicher Charaktere zu diskutieren.

Technische Mindestanforderungen

Für einen ersten Schritt braucht ein kleiner Betrieb keine eigene IT-Abteilung. Ein Business Model Canvas auf Papier reicht, um Annahmen zu sortieren. Die IHK Schwaben verweist auf die Vorlage der IHK München und die Gründungswerkstatt Schwaben, in der ein Coach das Canvas begleitet. Ein IHK-Online-Mentor kann die Weiterentwicklung unterstützen.

Mögliche technische Einstiegswege:

Alle drei folgenden Wege sind Vorschläge dieses Beitrags, keine belegten Anbieterstandards.

  1. No-Code- oder Low-Code-Baukasten für Nutzerverwaltung, Formulare und Zahlungsanbindung ohne Programmieraufwand.
  2. SaaS-Vermittlungssoftware als Mietlösung mit laufender Gebühr und vorgefertigten Funktionen.
  3. Kooperation im Verbund, bei der mehrere Betriebe eine Plattform und deren Betriebskosten gemeinsam tragen.

Für das Kostengerüst hilft eine eigene Rechnung. Das folgende erfundene Beispiel nennt die Annahmen offen; es ist kein Marktpreis.

Annahme des erfundenen Beispiels Rechnung
No-Code-Baukasten, 99 Euro im Monat 1.188 Euro im Jahr (99 × 12)
Einrichtung durch eine Agentur, 20 Stunden zu 85 Euro 1.700 Euro einmalig (20 × 85)
Zahlungsdienstleister, 1,5 Prozent bei 20.000 Euro vermitteltem Umsatz im Monat 3.600 Euro im Jahr (300 × 12)
Eigene Arbeitszeit, 160 Euro pro Woche 8.320 Euro im Jahr (160 × 52)
Summe erstes Jahr 14.808 Euro

Die Tabellenzahlen sind Annahmen eines erfundenen Beispiels, keine Marktpreise. Angebote holt man direkt ein. Der Gründungsleitfaden der IHK Reutlingen, Stand 01/2019, nennt Gründungszuschuss, Einstiegsgeld und Beratungsgutscheine für Baden-Württemberg sowie das Bundesprogramm 'Förderung unternehmerischen Know-hows' für junge Unternehmen bis zwei Jahre am Markt, für bestehende und für krisenbetroffene Unternehmen (Förderwege). Ein Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss besteht nicht; § 93 SGB III regelt ihn als Kann-Leistung (§ 93 SGB III). Die Verfügbarkeit prüft man vorab bei den genannten Stellen.

Rechtliche und wirtschaftliche Grenzen

Die Nachfrage ist die schwerere Aufgabe, nicht die Technik: Eine zweiseitige Plattform nützt Anbietern nur, wenn Nachfrager vorhanden sind, und umgekehrt. Die IHK Darmstadt nennt eine klare Vision, flexible Organisation und Kooperationsbereitschaft als Erfolgsfaktoren.

Für die Planung bedeutet das:

  1. Startnische eng wählen, etwa ein Stadtteil oder eine Gewerbegruppe.
  2. Kritische Masse vorab als Zielmarke definieren, zum Beispiel 50 aktive Anbieter und 500 Anfragen pro Monat.
  3. Rechtliche Pflichten prüfen lassen, etwa Datenschutz und Vertragstexte.
  4. Abbruchkriterien festlegen.
  5. Kooperationsform passend wählen: kurzfristige Projekte können formlos bleiben; für längerfristige Kooperationen empfiehlt die IHK Reutlingen unbedingt eine schriftliche Kooperationsvereinbarung, gerade wenn Leistungen zu erbringen sind oder Geld fließt.

Diese Punkte sollten vor dem ersten Euro geklärt sein. Die IHK Reutlingen rät, sich vor Vertragsabschluss an einen Anwalt zu wenden, damit die richtige Vertragsform gefunden und ungünstige Bedingungen früh vermieden werden.

Häufige Fragen

Kann ein kleiner Betrieb ohne eigene IT eine Plattform aufbauen?

Ja, mit No-Code- oder SaaS-Lösungen ist der technische Aufbau machbar. Der Aufwand liegt in Prozessen, Verträgen und der Gewinnung beider Nutzerseiten. Kooperationsbereitschaft nennt die IHK Darmstadt ausdrücklich als Erfolgsfaktor.

Reicht ein Business Model Canvas für die Planung?

Für den Start ja. Die IHK Schwaben beschreibt das Business Model Canvas als eine der häufigsten Methoden; sie empfiehlt, es im Team zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Dafür bietet sie eine IHK-Vorlage und Online-Mentoren an. Für Bankgespräche oder Förderanträge braucht es zusätzlich einen Businessplan mit Finanzplanung.

Ab wann rechnet sich eine Plattform?

Das hängt von Transaktionsvolumen und Provision ab. Im erfundenen Beispiel oben ergeben 100 vermittelte Aufträge im Monat und 5 Euro Provision 500 Euro Rohertrag. Die laufenden Annahmen von 1.092 Euro im Monat (99 Euro Software, 300 Euro Zahlungsdienstleister, 693 Euro eigene Arbeitszeit) liegen darüber. Diese Zahlen sind Annahmen des Beispiels und keine Marktangaben; eine belegte Erfolgsquote für Plattform-Einstiege kleiner Betriebe liegt nicht vor.

Mehr aus Geschäftsmodelle